Fans fordern Skibbes Rauswurf

  • VON UDO BONNEKOH


    (RP) Bayer Leverkusen hat seine rasante Talfahrt in der Fußball-Bundesliga fortgesetzt und scheint auf der Zielgeraden alle Europa-Cup-Träume zu verspielen. Die Werkself kassierte nach einer schwachen Vorstellung eine 1:2 (0:1)-Heimniederlage gegen Hertha BSC Berlin und muss zwei Spiele vor Saisonende als Tabellensechster sogar um den Einzug in den UI-Cup bangen.


    Das ist ja nicht erst seit gestern ein Phänomen, wie wenig die Hertha aus Berlin über die Jahre aus ihrer Monopolstellung in Deutschlands Hauptstadt gemacht hat. Und die Leverkusener mussten es in misslicher Lage eigentlich als äußerst angenehm empfinden, diese labilen Berliner als drittletzten Gegner der Saison vorgesetzt bekommen zu haben.


    Bayer aber, das nach zuletzt durchweg dürftigen Auftritten mit nur vier Punkten aus sieben Begegnungen am formulierten Ziel Uefa-Cup-Platz zu scheitern drohte, verschaffte sich nicht mal gegen diesen Gegner den dringend benötigten Vitaminstoß. Und nach dem 1:2 dröhnte es in der BayArena vor Pfiffen gegen Trainer Michael Skibbe und seine Elf.


    Hertha lässt Bayer kaum Möglichkeiten


    Es hat allerdings verwundert, dass die Berliner, die sich in der Grauzone der Tabelle wohnlich eingerichtet zu haben scheinen und in der so genannten Auswärtstabelle dicht vor den Abstiegsplätzen rangieren, den Leverkusenern kaum Möglichkeiten für vertrauensbildende Maßnahmen beim kritischen Publikum gestatteten. Tiefe Furcht vorm Versagen bestimmte das Handeln bei Bayer, und das bedeutete Krampf statt zwingender Passagen. Und die Herthaner gaben sich, oh Wunder, hemmungslos bislang oft verborgen gebliebener Spiellust hin. Ziemlich locker führten die Raffael, Mineiro und Piszczek ihre Angriffe vor.


    Reichlich unbekümmert taten sie das gegen eine Leverkusener Defensive, die wieder mal fürchterlich flatterte ohne Unterstützung aus dem Mittelfeld.
    Und da überraschte es kaum, dass die Berliner sich nicht zweimal bitten ließen: Manuel Friedrich, der sich gegenwärtig als die Karikatur eines Innenverteidigers präsentiert, verlor im Strafraum recht einfach einen Zweikampf gegen Raffael, und Pantelic schoss den Ball gegen den Innenpfosten, den er als Bande benutzte fürs 1:0.


    Pantelic, ganz nebenbei, ist ein 29 Jahre alter Serbe, der mittlerweile mehr als ein Drittel aller Berliner Tore in dieser Saison erzielt hat. Bei Bayer, das sich in der ersten Halbzeit über ein paar Eckstöße und ein paar (eher durchsichtige) Attacken (Barnetta) dem Tor von Drobny näherte, hatte einen Mann solcher Effizienz nicht zu bieten.


    Sportdirektor Rudi Völler brachte sogar Verständnis auf für den gesteigerten Unmut der Fans. ?Wir spielen ja auch schlecht?, bekräftigte der Ex-Stürmer. Zur Schwäche bei den Leverkusenern gesellte sich schließlich auch noch Hast und Frust in höchstem Maße. Frust über einen Platzverweis von Kießling nach einer Rangelei mit Kacar.


    Und weil es bei Bayer immer noch Steigerungen im Negativen gibt, bekamen die Berliner das 2:0 geschenkt von der Leverkusener Deckung, die sich als nicht existent erwies, als Piszczek freie Bahn bekam auf Bayers Tor. Torwart Adler sah in einem Foul die Rettung, den Elfmeter schoss Chahed locker ein. Der Anschlusstreffer von Sinkiewicz kam viel zu spät.


    Statistik


    Leverkusen: Adler - Castro, Sinkiewicz, Manuel Friedrich, Gresko - Rolfes, Schwegler (46. Dum) - Barnetta, Barbarez (76. Risse), Kießling - Gekas (46. Bulykin). - Trainer: Skibbe


    Berlin: Drobny - Chahed, Simunic, von Bergen - Mineiro, Kacar, Lustenberger (79. Dardai), Skacel - Raffael, Piszczek (89. Bieler) - Pantelic (82. Domowtschiski). - Trainer: Favre


    Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)


    Tore: 0:1 Pantelic (26.), 0:2 Chahed (68., Foulelfmeter), 1:2 Sinkiewicz (90.)


    Zuschauer: 22.500 (ausverkauft)


    Beste Spieler: Adler - Chahed, Pantelic


    Rote Karte: Kießling nach einer Tätlichkeit (61.)


    Gelb-Rote Karten: keine


    Gelbe Karten: Adler (3) - Lustenberger


    Trainerstimmen:
    Trainer Lucien Favre (Hertha BSC Berlin):


    "Wir sind nach Leverkusen gekommen, um zu gewinnen. Das 2:1 ist für mich am Ende korrekt. Die Mannschaft hat nach dem 1:0 das richtige Selbstvertrauen. Ich bin sehr zufrieden, aber es gibt noch viel zu tun."


    Trainer Michael Skibbe (Bayer Leverkusen):


    "Wir sind total unzufrieden mit der Leistung, die wir abgeliefert haben. Der Gegner hat uns vorgemacht, wie man gradlinig spielt. Es ist nun schwer, den Kopf wieder frei zu bekommen. Wir müssen nun aber alle Kräfte mobilisieren und versuchen, in Rostock zu gewinnen."


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    Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klar kommen!