Ein Stürmerduo voller Harmonie

  • Am Donnerstag herrschte befristete Trübsal bei Bayer Leverkusen. Den anderen Bundesligavereinen bei ihrem Wirken im Uefa-Pokal zusehen zu müssen, ist die Höchststrafe für das Team, das sein Teilnahme-Abonnement am Europapokal in der vergangenen Saison leichtfertig zerstört hatte. „Es ist bitter, zuschauen zu müssen. Unser großes Ziel ist es, auf die internationale Bühne zurückzukehren“, sagt Stefan Kießling.


    Weil er und sein Partner im Angriff, Patrick Helmes, momentan als „Traumsturm“ der Fußball-Bundesliga einen großartigen Eindruck hinterlassen, rechnet die Konkurrenz damit, dass die Leverkusener zum Saisonende sogar in die Champions League aufsteigen könnten. Wenn an diesem Samstag mit einem Heimsieg gegen Hertha BSC Berlin (15.30 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) der Sprung an die Tabellenspitze gelingt, wäre das ein sichtbarer Beweis, dass die Rheinländer den besten Saisonstart seit vielen Jahren hingelegt haben.


    „Das Verständnis und die Harmonie sind außergewöhnlich“


    „Wir haben wieder ein tolles Sturm-Duo“, sagt Sportdirektor Rudi Völler. Mit Patrick Helmes steht erstmals seit 1996, als Ulf Kirsten noch spielte, nach sechs Spieltagen wieder ein Leverkusener an der Spitze der Torschützenliste. Aber vor allem vom Zusammenspiel zwischen Helmes und Kießling sind die Bayer-Verantwortlichen begeistert. „Das Verständnis und die Harmonie sind außergewöhnlich“, sagt Klubchef Wolfgang Holzhäuser über den Angriff.


    18 Treffer in sechs Bundesligaspielen, so viele wie noch nie seit dem Aufstieg 1978, hat das noch einmal verjüngte Bayer-Team erzielt. Es weist damit die beste Torbilanz der Liga auf. An zwei Dritteln dieser Tore waren die beiden Stürmer beteiligt. Helmes hat sieben Tore geschossen und eines vorbereitet, Kießling erzielte drei und lieferte bei vier Treffern die Vorlagen, zweimal verhalf er auch Helmes zu Toren. Auch im DFB-Pokal führten die beiden mit ihren Toren gegen die Zweitligaklubs Oberhausen und Augsburg ihren Verein in die dritte Runde.


    „Ich verstehe mich mit ihm super, weil wir uns schon von der U 21 und der Nationalmannschaft kennen“, sagt Kießling, der im Sommer 2006 für fünf Millionen Euro Ablösesumme aus Nürnberg geholt wurde. Helmes lobt ebenfalls die Kooperation. „Mit Stefan passt es einfach gut. Neben ihm ist es einfacher. Er geht überall da rein, wo es wehtut. Das kommt mir zugute“, sagt er.


    Helmes wirkt wie der geborene Torjäger


    Dass beide einen Leistungssprung vollzogen haben, liegt offenbar auch an Bruno Labbadia. Der neue Bayer-Trainer, früher ebenso ein erfolgreicher Stürmer wie Völler, hat Helmes und Kießling von taktischen Fesseln befreit. Der ablösefrei vom 1. FC Köln geholte Helmes kam bei Christoph Daum mehr über die rechte Außenposition. Eine fast identische Rolle musste Kießling in Leverkusen unter Trainer Michael Skibbe spielen. Bei Labbadia dürfen beide nun durch die Mitte das gegnerische Tor attackieren, wobei Kießling mehr rochiert über rechts oder links.


    Helmes wirkt wie der geborene Torjäger, selbst Völler zeigt sich beeindruckt. Der Sohn von Uwe Helmes, der in den 80er Jahren für Duisburg und Fortuna Köln stürmte, schießt mit dem linken und rechten Fuß gleich gut, aus allen Lagen und ohne Zögern. Die Schnelligkeit ist eine weitere herausragende Stärke von Helmes. Der lauffreudige Kießling, der technische Schwächen weitgehend abgestellt hat, ist der bessere Kopfballspieler.


    Gemeinsame Debüts in der Nationalmannschaft


    Charakterlich unterscheiden sich „Päddy“ und „Kies“ allerdings. Während der junge Vater Kießling, gebürtiger Franke aus Bamberg, der Generation von Profis angehört, die alles richtig machen wollen, ist Helmes eher ein „Instinktfußballer“. Als „Stimmungskanone“ und „Prototyp der rheinischen Frohnatur“ beschreiben die Leverkusener den Westfalen aus Siegen im „Steckbrief“ des Klubs. Labbadia hat gleich erkannt, dass er den lockeren Typ gelegentlich etwas härter anfassen muss. „Wenn ich mal Larifari mache, bekommen ich vom Trainer richtig Lack“, sagt Helmes.


    Ihre Debüts in der Nationalmannschaft gaben beide gemeinsam am 27. März 2007 beim 0:1 gegen Dänemark in Duisburg. Kießling blieb bei einem Einsatz stehen, gehörte zu Saisonbeginn aber wieder zum Kader von Bundestrainer Joachim Löw. Helmes hat inzwischen sieben Länderspiele bestritten, sechsmal als Einwechselspieler. Für die nächsten Partien gegen Russland und Wales erhielt er am Freitag eine Einladung. Beim DFB muss er noch ohne seinen Vereinspartner auskommen, Kießling gehört nicht zum Kader.


    FAZ