VON CHRISTIAN OEYNHAUSEN, 07.02.08, 23:22h, AKTUALISIERT 07.02.08, 23:26h
Leverkusen - Weil er keinesfalls eine Diskussion um Bayer 04 Leverkusen als Bayern-Jäger anstoßen möchte, hat Rudi Völler die Bundesliga gestern kurzerhand neu eingeteilt. Vorn die Bayern und Bremen, „die zu Recht da hingehören“, und dann ein Feld von Rang drei bis acht, in dem Leverkusen nach aktueller Lage Tabellenführer ist. Am Samstag (15.30 Uhr) kommt der HSV in die von Baggern angenagte BayArena, um das zu ändern. Es gibt etwas wiedergutzumachen für Leverkusen, findet Völler mit Blick auf das 0:1 in Hamburg. „Unser schlechtestes Vorrundenspiel“, sagt der Sportchef. Leverkusens Statistik gegen die sogenannten Topteams ist miserabel (ein Punkt aus Spielen gegen Bayern, Bremen, Hamburg, Stuttgart, Schalke), aber Völler bleibt gelassen: „Wenn wir gegen alle Kleinen und Mittelmäßigen gewinnen, werden wir am Ende gut dastehen.“
Auch Trainer Michael Skibbe vermeidet angestrengt jede Silbe, die nach Kampfansage an die Führenden klingen könnte. „Die Früchte werden ziemlich hoch hängen“, sagt der Coach, der gegen Rafael van der Vaart und Kollegen wieder eine Not-Abwehr stellen muss. Gonzalo Castro ist nach fünf Gelben Karten gesperrt, Karim Haggui verletzt vom Afrika-Cup zurückgekehrt, Hans Sarpei war in Ghana am Donnerstag noch im Einsatz. Lukas Sinkiewicz und Carsten Ramelow plagen noch Verletzungsfolgen. „Es ist eng“, sagt Skibbe.
Ein Mittelfeldspieler wird als rechter Verteidiger aushelfen müssen. Die Frage ist, wer den schnellen Olic auf der rechten Bayer-Seite besser aufhalten kann: Bernd Schneider, Pirmin Schwegler oder Arturo Vidal, der aber im Hinspiel in Hamburg als (linker) Außenverteidiger ein schwaches Bundesligadebüt gab. Immerhin sind die Nationalspieler Bernd Schneider, Manuel Friedrich und Simon Rolfes unverletzt vom Länderspiel zurückgekehrt. Restlos begeistert war Skibbe von seinem Leuten nicht: „Sie waren nicht so gut, wie es gegen den HSV nötig sein wird, wenn wir Punkte holen wollen.“
In der Offensive ist Leverkusen dagegen komplett. Das bedeutet: Schlechte Karten für Theofanis Gekas, dem Skibbe zwar „jede Rückendeckung des Klubs“ versichert, aber im Nachsatz leise droht: „Die Konkurrenz ist groß. Ich bin zufrieden mit Dimitri Bulykin und froh, dass er bei uns im Kader steht.“
Mit dem falschen Fuß
Das Duell mit dem HSV steht natürlich auch im Zeichen des Ex-Hamburgers auf Leverkusener Seite: Sergej Barbarez lebt in der Hansestadt im Stadtteil Quickborn. „Mich interessiert nur, was in Leverkusen gesprochen wird“, beteuerte der Bosnier gestern. „Meine Gefühle bezüglich des HSV normalisieren sich. Es wird von Spiel zu Spiel weniger. Der Dritte spielt gegen den Vierten, das bringt doch genug Brisanz mit.“
Dem 36-Jährigen ist im Training ein kleines Missgeschick unterlaufen: Ein harter Torschuss mit dem rechten Fuß, seinem schwächeren. Jetzt plagen den Routinier Oberschenkelprobleme, doch sein Einsatz gegen den HSV ist nicht gefährdet. „Zur Not habe ich noch ein Bein im Spind. In meinem Alter hat man mehrere Beine“, witzelt Barbarez, der gern mit seinem Alter kokettiert. Aber nur außerhalb des Platzes. Denn jeder Punkt bringt ihn dem Vorhaben näher, noch ein Jahr dranzuhängen. Wenn Bayer 04 einen Platz im internationalen Geschäft erreicht, wird der Vertrag um ein Jahr verlängert, falls man sich über das Gehalt einig wird - so lautet das Ergebnis der Gespräche am Ende der Winterpause.
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