Hab mir überlegt, so einen klitzekleinen Bericht könnte ich ja doch mal schreiben. Hier ist er:
Wenn man Sonntags Morgens an der Stelzenbrücke auf ganz viele bekannte Gesichter trifft, die man sonst im Jahr kaum sieht, dann ist mal wieder Wintertrainingslager angesagt. So war es denn auch vor der Abreise nach Belek, als sich ein Trupp von rund 40 Leuten mit Blick auf die Abrisskräne an der BayArena traf, das Gepäck in den Bus nach Düsseldorf lud und voller Vorfreude dem türkischen Mittelmeerstrand entgegen strebte. Viele der Mitreisenden hatten schon an Wintertrainingslagern auf Gran Canaria, Mallorca, in Malaga und in Rom teilgenommen und waren entsprechend erwartungsfroh.
Nun war die Fluglinie, die man seitens des Reiseorganisators gewählt hatte, nicht wirklich vom allerfeinsten, was man den Stewards bereits am Hemd ansehen konnte. Das pappige Sandwich wurde mit Hilfe von tröpfchenweise ausgeschenktem Kaffee hinuntergewürgt und die Hoffnung auf ein opulentes Abendessen im Hotel stieg deutlich. Nach einem ruhigen Flug und einer reibungslosen Landung bestiegen alle die ihnen zugewiesenen Busse zum Hotel, die ViP’s den einen, wir den anderen und dann mussten wir uns noch eine knappe halbe Stunde in Geduld üben, bis wir am Hotel Kaya Belek ankamen. Da man unterwegs nicht nur ein diversen Golf-, sondern auch an einigen Fußballplätzen vorbei fuhr und dort auch schon mal rote Trikots leuchteten, hofften wohl einige, sie könnten mit der Mannschaft zusammen in einem Hotel untergebracht sein. Doch das führte im Prinzip nur zu kurzen Lachanfällen der erfahrenen Trainingslager-Hasen und dann war Ruhe.
Im Hotel wurde eingecheckt, das Bayer-Begrüßungs-Geschenk eingesackt, in dem sich neben dem berühmten Bayer-Schampoo und einem Schlüsselband auch Autogrammkarten und ein Stift befanden und dann ging es auf die Zimmer zum auspacken. Man muss schon sagen, wir hätten es nicht viel besser antreffen können. Großzügige Zimmer und alle mit Balkon und Meerblick ausgestattet, so was gibt es nicht in jedem 4-Sterne-Hotel. Nur die Lichtverhältnisse im Hotel waren nicht immer unproblematisch. Während der gesamten Zeit befand man sich in einem schummrigen Halbdunkel, egal, wo es einen im Hotel hin verschlug. Manchmal ist so was ja ganz nett, aber so manches Mal hätte man vielleicht auch gerne etwas besser gesehen.
Da der erste Tag ohnehin schon fast vorbei war, warteten nach dem Auspacken alle in der Lobby-Bar auf das erste Abendessen, um anschließend sofort den oder die notwendigen Absacker in der Bar zu nehmen. Schließlich schläft es sich in der ersten Nacht in fremden Betten nicht immer wirklich gut.
Schlafprobleme hatten so einige in der Woche in Belek, da es ausgesprochen viele nächtliche Aktivitäten auf den Hotelfluren zu verzeichnen gab. Schon interessant, wenn man sozusagen live vor Ort dabei sein kann, nur durch eine dünne Tür getrennt, wenn des Nachts die Bordsteinschwälbchen im Hotel einfliegen. Da fragten sich einige, wieso immer alles so laut sein muss. Aber, ein kurzes und energisches Gespräch mit der Rezeption sorgte für halbwegs zivile Lautstärke und dann ging das auch mit dem Schlafen.
Da die ersten Tage alle zur freien Verfügung waren, verteilte sich die Gruppe auf die verschiedensten Aktivitäten. Einige nutzen den ausgesprochen großzügig und nett eingerichteten Wellness-Bereich des Hotels, andere setzten sich im gemieteten Auto zum Sightseeing bis zur Nikolaus-Geburtsstadt Myra in Bewegung und wieder andere erkundeten per Pedes die Gegend und vor allem den Weg zum Trainingslager der Mannschaft.
Von unserem Hotel aus hatte man ca. 1 ¼-Stunde Fußweg hinter sich zu bringen, dann konnte man unsere Mannen in Aktion erleben. Auffällig war die Lockerheit, mit der alle, vom Spieler über den Trainerstab bis zu den Betreuern, ihre Arbeit machten. So durfte man denn auch die Lockenpracht des einen Spielers befühlen, während andere dazu einluden, die Strecke vom Trainingsplatz bis zum Eingang des Spielerhotels im Golfwägelchen mit zu fahren. Die jahreszeitlich bedingten Wünsche wurden gegenseitig ausgetauscht, Fotos geschossen, Autogramme gesammelt und am Ende an der Hotelbar eine Kleinigkeit für das leibliche Wohl getan. Besonders zu erwähnen sei hier der nette Empfang, den das Spielerhotel der Mannschaft bereitet hatte. Vor dem Eingang wehten schwarz/rote Fahnen und ein Begrüßungsplakat hing ebenfalls da und auch den Bus, mit dem unsere Jungs unterwegs waren, hatte man eigens mit dem Bayer-Logo beklebt.
Irgendwann dann wurde mit dem Taxifahrer über den Preis für die Rückfahrt zu unserem eigenen Hotel verhandelt oder der Mietwagen bestiegen und dann ging es wieder zurück, meistens dann, wenn die Sonne sich langsam verabschiedete und es wieder ziemlich kalt wurde. Was für ein Wetter in der Woche. Gegen Mittag konnte man Menschen am Strand oder am Pool leicht bekleidet sehen, die ab Nachmittag wieder ihre dicken Pullis ausgruben, weil man sich da an heimische Wintertemperaturen erinnert fühlte. Trotzdem wurde der ein oder andere Sonnenbrand vermeldet.
Da genau nebenan Schalke 04 Stellung bezog, gab es den ein oder anderen, der auch dort mal kibitzen ging. Das Hotel war aber gut bewacht und es war wohl nicht so einfach, die Spieler aus der Nähe zu sehen. Auch bei Bremen guckten Fans vorbei, ebenso, wie bei Karlsruhe und wohl auch Freiburg, die gleichzeitig in Belek im Trainingslager waren. Man bekam die Zeit also gut herum und wer sich nicht in Sachen Kultur oder Fußball verlustierte, ging eben einkaufen auf dem Markt, erhandelte sich zig Paar Socken oder akkurat gekürzte Gürtel oder einen Fes.
Am Mittwoch fand das erste Event statt in Form eines gemeinsamen Abendessens mit Vertretern des Vereins. Wolfgang Holzhäuser, Michael Skibbe und Rüdiger Vollborn trafen, begleitet von den Mannschaftsärzten, um 20 Uhr in unserem Hotel ein, setzten sich mitten unter die hungrige Meute und los ging es. In seiner kurzen Begrüßung erklärte Wolfgang Holzhäuser, dass man zwar schon gegessen habe, aber trotzdem sicher noch eine Kleinigkeit zu sich nehmen werde. Unter den interessierten Blicken unbeteiligter Hotelgäste diskutierte dann Michael Skibbe mit Geduld über Sinn und Unsinn einer Spitze, Wolfgang Holzhäuser über sein Verhältnis zu uns Fans, Rüdiger Vollborn über die künftige Nummer 1 der Nationalmannschaft und alle irgendwie über Bayer.
Dann war unser Trainingsspiel angesetzt. Mit dem Bus ging es zum Mannschaftshotel, wo wir auf einem der Trainingsplätze Gelegenheit bekamen, uns auf das Spiel gegen die Offiziellen am nächsten Tag vorzubereiten. Leider waren nicht alle gemeldeten Spieler auch bei dieser Trainingseinheit dabei, was am nächsten Tag zu einigem Chaos führte, aber was wir da so zu sehen bekamen, vor allem von unserem Torhüter, ließ auf ein Ergebnis hoffen, das nicht zweistellig mit einer zwei vorne enden würde. Allerdings gab es durchaus auch Spieler, die bereits nach fünf Minuten den Pfarrer forderten, doch da wir gerade keinen zur Hand hatten, hielten sie durch. Nächstes Jahr werden wir das anders vorbereiten, haben wir beschlossen und es wird sicher noch das ein oder andere strategisch schon vor der Reise abgestimmt werden.
Strategisch ging es abends weiter, denn Everest-Poker hatte zu einem Turnier geladen. Die gesamte Mannschaft war vor Ort, verteilte sich auf 8 Pokertische und wir hockten uns alle dazu. Netterweise hatten die Spieler eine Engelsgeduld und erklärten den teilweise völlig unerfahrenen Fans an den Pokertischen ständig, wann sie wie viel warum zu setzen hätten, wer warum was gewonnen hätte und ähnlich komplizierte Dinge. Selbst die jüngsten unter den Spielern waren mitgekommen, obwohl sie, weil erst 17, am Turnier nicht teilnehmen durften. Sie ließen sich mit Getränken verwöhnen und hatten auch ihren Spaß. Am Ende gab es dann die Runde der Tischgewinner und der zweiten und Turniersieger wurde Sergej Barbarez, der ein Everest-Poker-T-Shirt einsackte. Das Ganze fand nicht nur unter den Augen vieler schaulustiger Hotelgäste statt, sondern auch besonders gut ausgeleuchtet, da das DSF mit einem Kamerateam vor Ort war. Gresko hätte sogar noch weitergespielt, als der Turniersieger längst feststand, er hat absolut das richtige Pokerface, aber schließlich mussten die Spieler wieder zurück in ihr eigenes Hotel. Es waren sich aber alle einig, dass so ein Turnier nach einer Wiederholung schreit.